Verteilerkasten 4: Altes Pastorat

Um 1920.
Um 1920.

Auszug dem Buch von Dorothea Roters "Osterwick - Geschichte eines Dorfes im Münsterland" (1989: Laumann Verlag Dülmen/Westfalen, S. 172 - 175): 

 

Das Pfarrhaus in Osterwick, im Volksmund als „Die Pastorat“ bekannt, ist mehrmals neu gebaut bzw. umgebaut worden. Ursprünglich war dem Pfarrhaus der Wedemhof angegliedert, ein Bauernhof, dessen Bewirtschaftung unter der Aufsicht und zum Nutzen des Pfarrers geschah. Erst im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts trat der landwirtschaftliche Betrieb immer mehr in den Hintergrund, wurden einzelne Grundstücke für die Errichtung von Hausstätten oder zur Nutzung von Gärten verkauft.

 

Als im Jahr 1598 der spanische Admiral Don Francesco de Mendoza im Münsterland Quartier nahm und die Stadt Coesfeld belagerte, wurde auch die hiesige Gegend in den spanisch-niederländischen Krieg einbezogen. Umherziehende Landsknechte plünderten die Höfe der Umgebung; in dieser Zeit wurde auch das Osterwicker Pfarrhaus niedergebrannt. Der damalige Pfarrer Stühle (I) erlebte die Zerstörung des Pfarrhauses noch, kurze Zeit später, am 2. Mai 1599, starb er.

 

Sein gleichnamiger Sohn und Nachfolger bemühte sich in besonderem Maße um die Erhaltung der Kirche und des Pfarrhauses. Über seine Tätigkeit und die Kostenabrechnungen führte er in ausgiebiger Weise Buch. Ist schon auf Grund seiner genauen Aufzeichnungen die Anschaffung neuer Glocken im Jahr 1602 überliefert, so verdanken wir ihm auch die umfassende Beschreibung des 1601 erfolgten Pastoratneubaus.

 

Aus seinen Aufzeichnungen ist ersichtlich, dass der Wedemhof nach Art eines landwirtschaftlichen Betriebes aufgebaut war und alle für einen Bauernhof notwendigen Vorrichtungen besaß. Die vom alten Pfarrhaus noch verbliebenen Überreste wurden abgetragen und unweit davon das neue Pastorat errichtet. Die Kosten trugen je zur Hälfte der Pfarrer und die Kirchspielsgemeinde, worin der Grund gesehen werden mag, warum der Pastor die genaue Kostenaufstellung anfertigte. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Pfarrer vom Archidiakon auch erlaubt, ein Stück Land von drei Scheffeln Einsaat, genannt „Sandtmers Kampe“ umgeben von Kleinings, Ostendorfs und Hiddings Kämpe sowie an die Waterstegge grenzend, an seinen Bruder, den Kaufmann Vastert Stühle zu verkaufen.

 

Über der Planung bis zur Ausführung des Pastoratneubaus im Jahre 1601 verfasste Johann Stühle (II) einen detaillierten Bericht: es wird deutlich, wie sehr man bemüht war, noch brauchbare Materialien des abzubrechenden Gebäudes wieder zu verwenden.

 

Zur Senkung der Baukosten trugen auch zahlreiche Spenden bei. Das nötige Bauholz schenkten der Propst von Varlar, die Asbecker Äbtissin, die Adeligen von Torck zu Asbeck und von Westerholt zu Weersche und auch zahlreiche Osterwicker Bauern, wie Wiechert, Weddelmann, Wasmer, Deitmer, Hakenfort, Hesselt, Schulze Kalthoff, Schulze Baek, Brüning, Wenneker, Blakert, Weuler und Feldmann.

 

Der nächste uns überlieferte Neubau fand im Jahre 1935 statt, als Pfarrer Augustin Wempe hier tätig war. Das alte Gebäude, mittlerweile über dreihundert Jahre alt und baufällig geworden, wurde restlos abgerissen und der Naubau ungefähr zwei Meter nördlicher errichtet. Ein Unglücksfall überschattete die Bautätigkeit, als der Maurermeister Isfort vom Gerüst stürzte und sich tödlich verletzte. Der Altbau wurde vor dem Abbruch folgendermaßen beschrieben: „Durch ihre malerische Lage am Ostausgange des Dorfes, umgeben von Eichen, Gräften und Anlagen, nebenan die Insel mit den alten, seltenen Bäumen, erregt die Pfarrerwohnung besonders in der Blütezeit im Monat Mai die Bewunderung der Vorübergehenden.“

 

Die Ansicht des heutigen Pastorats zeigt, dass man sich mit dem Neubau an das abgerissene Vorbild hielt und den Charakter des Gebäudes wahrte.

 

Seit 1982 verfügt die Katholische Kirchengemeinde von Osterwick über ein zusätzliches Gebäude, das St.-Fabian-Heim. Am 7. November 1982 konnte nach einjähriger Bauzeit das neue Pfarrheim zu Osterwick, südöstlich der Kirche gelegen und unmittelbar an diese angrenzend, eingeweiht werden.

 

Hier finden Sie weitere interessante Verteilerkästen mit historischen Fotos in Osterwick (bitte klicken).

DVD - Osterwick im Jahr 1937

Für weitere Informationen nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


Wollen auch Sie uns bei der Heimatpflege und Heimatkunde unterstützen? Dann werden Sie Mitglied beim Heimatverein Osterwick. Wir würden uns freuen!

Mitgliedsantrag Heimatverein komplett.pd
Adobe Acrobat Dokument 62.6 KB

Wollen Sie uns etwas mitteilen?

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.