Fliegerangriff in Darfeld.

 

In der Nacht von Mittwoch, den 9. auf Donnerstag, den 10. Juli 1941 gegen 1.30 Uhr warf ein feindlicher Flieger auf den Weiden des Bauern Heinrich Palz in Darfeld, Hennewich 1 vier Sprengbomben mittleren Kalibers und außerdem drei Blindgänger. Nach den Sprengtrichtern und Splittern zu urteilen, handelt es sich hier um 5-Ztr. Bomben.

Zwei Blindgänger liegen auf der Weide des Landwirts Ochtrup in der Nähe der Gehöfte Ochtrup und Fliß. Einer von diesen beiden Blindgängern, dessen Einschlagstelle 40 cm. im Durchmesser und in einer Tiefe von 1,50 m zuge­schüttet war, zerknallte am folgenden Tag (10. 7. 1941) nachmittags um 15.15 Uhr nach 13 Stunden und 45 Minuten. Aus der kleinen Einschlagstelle war nunmehr ein großer Trichter im Durchmesser von 6–7 m geworden. Der Trichter war bis zum Rand angefüllt mit weißen Mergelsteinen, die auch im weiteren Umkreis umhergestreut waren.

Der 2. Blindgänger bei Ochtrup wurde am 11. 7. 1941 abends von einem Kommando der freiw. Feuerwehr Darfeld splittersicher abgedeckt (mit kurzen Stämmen, Stroh und 400 Buschen).

Der 3. Blindgänger liegt etwa 200 m. vom Hofe Palz in einem Graben und soll noch von einem Feuerwerker näher untersucht werden.

Insgesamt wurden durch diesen Reihenwurf 6 Stck. Rindvieh so schwer be­schädigt, daß sie notgeschlachtet werden mußten. Insgesamt weideten in dieser Nacht auf den Weiden Palz ca. 300 Stck. Pensionsvieh.

Die infolge der Blindgänger geräumten Häuser Ochtrup, Fliß und Thoms konnten nach zwei Tagen wieder bezogen werden. In dieser Nacht sind vom Beobachtungsposten in Osterwick 24 Leuchtkugeln gezählt.

Die 4 Sprengtrichter in der Weide Palz sind:

1          Trichter            Tiefe    2,80     m. Durchmesser  8,30   m.

1          “          “          1,65     “          “             6,00  “

1          “          “          2,10     “          “             7,50  “

1          “          “          2,20     “          “             7,60  “

Dr.Herbsthoff

[Handschriftlicher Nachtrag:]  3. Blingänger im.Zerscheller mit Aufhänge­vor­richtung am Kopf der Bombe

 

 

 

 

Der Höhere- und Polizeiführer                              Münster, den 18. 7. 1941.

bei den Oberpräsidenten von Westfalen,

Hannover, der Rheinprovinz und beim

Reichsstatthalter in Lippe u. Schaumburg-Lippe

im Wehrkreis VI

B.d.O. Lu. -5572- Tgb. Nr. 2064/41 g.

 

Betrifft: Erfahrungen bei den 5 Luftangriffen auf

Münster in der Zeit vom 6. 7. bis 10. 7. 1941

Von den 5 Luftangriffen auf Münster in der Zeit vom 6. 7. bis 10. Juli 1941 handelte es sich bei 4 Angriffen um Großangriffe von erheblichem Ausmaß. Die in unmittelbar aufeinanderfolgenden Nächten durchgeführten Großangriffe sind in dieser Häufigkeit und in dieser Stärke erstmalig auf einen Luftschutzort er­folgt. Es sind hierbei eine Reihe neuer Erfahrungen gesammelt, die nachstehend zusammengestellt sind.

Sämtliche LS-Orte I. bis III. Ordnung haben an Hand dieser Erfahrungen ihre vorbereiteten Maßnahmen sofort zu überprüfen und je nach den örtlichen Ver­hältnissen auszuwerten. Weiter sind die Polizei- und SHD.-Kräfte und alle im Luftschutz tätigen Kreise beschleunigt über diese Erfahrungen zu unterrichten.

1.) Die Angriffe auf Münster erfolgten in 5 aufeinanderfolgenden Nächten und zwar:

                                                                                                Tote    Verl.

   6. 7.    1.16–2.50 Uhr        40–50   Flugz.        200 Sprengb.      23       68

                                                                     3000 Brandb.

   7. 7.    2.30–2.35   “            1–  2       “             30 Brandb.

   8. 7.    1.10–3.00   “          40–50       “            250 Sprengb.        8       82

                                                                     3000 Brandb.

   9. 7.    1.15–2.41   “          50–60       “            300 Sprengb.      12       43

                                                                     3000 Brandb.

10. 7.    1.40–2.40   “          15–20       “              50 Sprengb.        1       11

                                                                      1000 Brandb.                     

Sa.                                    150–180 Flugz.        800 Sprengb.      44     204

 

Die Zahl der Verletzten ist noch erheblich höher, da viele Verletzte sich nicht in Behandlung begaben und andere sich in Krankenhäusern behandeln ließen.

Die Bombenabwürfe erfolgten auf Betriebe, Behördengebäude, Reichsbahn­anlagen, Wehrmachtsanlagen und in großem Umfang auf Wohnviertel.

  2.)  Diesen Großangriff auf Münster waren in den letzten Wochen häufig Ein­flüge vorausgegangen, bei denen die feindlichen Flieger zahlreiche Fall­schirmleuchtbomben über Münster warfen, ohne daß Angriffe folgten. Sie stellten hierbei fest, daß kein Flakschutz vorhanden war. Bei wiederholten Anflügen und Abwurf von Fallschirmleuchtbomben ohne Angriffe kann der betreffende Ort mit bevorstehenden größeren Angriffen rechnen

  3.)  An größeren Schäden sind bei diesen Angriffen entstanden:

Durch Brandbomben:  Vollständig ausgebrannt             208 Häuser

                                   Teilweise             “                     209 Häuser

Durch  Sprengbomben: Totalschäden an                         104 Häusern

                                   Teilschäden an                           288 Häusern

Glas-, Dach- und sonstige kleinere Schäden entstanden an über 2000 weite­ren Häusern. Da in Münster etwa 12500 Häuser vorhanden sind, ist also fast jedes 4. Haus beschädigt.

  4.)  Der Feind warf in stetem Wechsel Spreng- und Brandbomben in mehr­stündigem, pausenlosen Angriff. Durch den starken Abwurf von Spreng­bomben, z. B. in einer Nacht 300 auf die Stadt Münster zwang er die Selbstschutzkräfte, in den Schutzräumen zu verbleiben, um ein frühzeitiges Erkennen und eine schnelle Bekämpfung der Entstehungsbrände zu verhin­dern. Vielfach warfen die feindlichen Flieger ihre Bomben im Tieffluge ab und schossen mit Bordwaffen auf die Löschkräfte.

  5.)  Der Feind verwandte vorwiegend Sprengbomben zu 220 kg, darüber hinaus aber auch zu 443 kg und in drei Fällen zu 842 kg.

An Brandbomben wurden überwiegend die 6-kantigen 1,7 kg Brandbom­ben abgeschüttet, darunter in größerer Zahl mit Zerknallwirkung. Daneben wurden aber auch 12,5 kg Brandbomben festgestellt.

49.) Das Heulen der abgeworfenen Bomben, das vor allem in den behelfsmäßig ausgebauten Schutzräumen der Wohnhäuser sehr deutlich hörbar ist, stellt eine starke seelische Belastung für die Bevölkerung dar, die sich bei Wie­derholung der Angriffe in mehreren aufeinanderfolgenden Nächten bei vielen Personen bis zur Unerträglichkeit steigert. Daher hat ein großer Teil der Bevölkerung nach mehreren Angriffsnächten in Befürchtung weiterer Angriffe das Bestreben, die Stadt ganz, bzw. mindestens für die Nachtstun­den zu verlassen, ohne Rücksicht darauf, daß zahlreiche Häuser hierdurch vom Selbstschutz entblößt werden.

50.) Um den erforderlichen Selbstschutz zu gewährleisten, muß verhindert wer­den, daß die männliche Bevölkerung die Stadt verläßt. Durch Auffangpo­sten der Polizei, der Partei und der Wehrmacht wurden an den Ausfallstra­ßen alle Männer unter 60 Jahren am Verlassen der Stadt gehindert, soweit sie in der Stadt ansässig und nicht zur Begleitung ihrer Familie mit mehre­ren Kindern zur Unterstützung der Frau unbedingt erforderlich waren.

51.) Von den in der Stadt zurückgebliebenen Personen suchen allabendlich eine sehr große Anzahl die bombensicheren Bauten und die öffentlichen LS-Räume auf, weil sie sich hier in größerer Sicherheit fühlen als in den be­helfsmäßig ausgebauten Schutzräumen ihrer Wohnhäuser. Auch hierdurch ist der Selbstschutz in den Häusern weiter herabgesetzt.

52.) Um einen weiteren planmäßigen Schutz der Stadt auch dann zu gewähr­leisten, wenn, wie in Münster, nach den ersten Angriffsnächten des Nachts bis zu 75 % der Bevölkerung die Stadt verlassen hat, wurden Wehrmachts­hilfskommandos in größerem Umfange den LS-Revieren zugeteilt und über die ganze Stadt verteilt, um in der schnellen Erkennung und Bekämpfung von Entstehungsbränden tätig zu werden.

56.) Es ist unbedingt notwendig, daß bei Feststellung von Blindgängern die Räumung in dem erforderlichen Umfange schnellstens durchgeführt wer­den. Das Eintreffen der Polizei darf hierbei nicht erst abgewartet werden, vielmehr muß die Räumung sofort durch den LS-Wart, den LS-Gemein­schaftsführer, den Blockleiter der Partei usw. veranlaßt werden. Die Zahl der in den 5 Angriffsnächten abgeworfenen Blindgänger betrug 102.

57.) In einem Falle detonierte ein Langzeitzünder während der Abdeckungs­arbeiten. Hierdurch wurden die eingesetzten Kräfte des I.-Dienstes  auf’s Höchste gefährdet. Auch für diese Arbeiten müssen mehr als bisher Straf­gefangene eingesetzt werden.

58.) Die Verpflegung für größere Bevölkerungsteile muß, soweit noch nicht geschehen, umgehend vorbereitet werden. Es ist hierbei nicht nur an Eva­kuierte zu denken, sondern auch daran, daß viele Speisewirtschaften zer­stört oder wegen der Lage von Blindgängern geschlossen sind, die Gaszu­fuhr unterbrochen ist und Teile der Bevölkerung, die auf Gaststätten ange­wiesen sind, und Männer, deren angehörige infolge der Luftlage die Stadt verlassen haben, mitverpflegt werden müssen.

59.) Die Bevölkerung ist nochmals zu unterweisen, daß Wohnungs- und Zimmer­türen sowie Schränke während eines Fliegeralarms nicht abge­schlossen sein dürfen, da sonst die schnelle Schadensbekämpfung und die Rettung von Gegenständen nicht möglich ist. Zweckmäßig ist es, wertvolle Gegenstände, Wäsche und Kleidungsstücke nachts in Kellerräumen zu la­gern.

60.) Da bei Großangriffen mit dem Ausfall der Stromversorgung stets zu rech­nen ist, muß die Bevölkerung angehalten werden, Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampen usw. stets griffbereit zu lagern, damit Paniken vermieden werden.

                                               In Vertretung:

                                                Der Befehlshaberder Ordnungspolizei

                                        Generalmajor der Polizei.

Funkspruch des Landrats Coesfeld.

Anordnung der Regierung Münster.

Möglichst sofort in allen Gemeinden der Kreise Coesfeld und Ahaus durch An­schlag oder auf anderer Weise bekannt zu geben, daß alle männl. oder weibl. Berufstätigen aus der Stadt Münster sich nach Münster zurück begeben sollen.

Veröffentlicht.

Osterwick, 12. Juli 1941.

Der Amtsbürgermeister.

gez.  Dr. Herbsthoff.

............ des englischen Fliegeroffiziers, welcher in der Nacht v. 12. auf 13. Au­gust 1941 in Holtwick Hegerort abgesprungen ist. Bomber stürzte in Legden ab.

Michael Geoghegan

[Beigelegt Etikett einer Toffee-Packung]

Rosendahl, 05.11.2019:
Der Heimatverein Osterwick e.V. wird in Kürze die Erstellung der öffentlichen Wege im Generationenpark Osterwick beschränkt ausschreiben. Die Pflasterarbeiten sollen in dem Zeitraum Februar bis Ende April 2020 durchgeführt werden. Interessierte Firmen, die sich an der beschränkten Ausschreibung beteiligen möchten, werden gebeten, sich bis zum 15. November 2019 mit dem Projektverantwortlichen in Verbindung zu setzen:

DVD - Osterwick im Jahr 1937

Für weitere Informationen nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


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